Klopps Anfield-Rätsel: Was ist aus Liverpools Selbstvertrauen geworden?
Erinnern Sie sich an dieses Liverpool-Team? Das, das über weite Strecken unbesiegbar schien, das Manchester City in der letzten Saison an zwei Fronten bis zum Äußersten forderte und mit 92 Premier-League-Punkten und einem Champions-League-Finale endete? Ja, ich auch. Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit her, nicht wahr? Denn die Mannschaft, die Jürgen Klopp gerade aufstellt, sieht aus wie eine blasse Imitation dieser unerbittlichen Maschine. Die 2:1-Niederlage im FA Cup gegen Brighton am letzten Wochenende war keine Anomalie; es war nur ein weiteres Zeichen einer Mannschaft, die ihren Weg verloren hat.
Die Sache ist die: Man kann auf Verletzungen verweisen, und ja, Virgil van Dijks Abwesenheit seit dem 2. Januar ist eine große. Luis Diaz hat seit Oktober nicht gespielt. Diogo Jota ist ebenfalls seit Mitte Oktober außer Gefecht. Aber gute Teams passen sich an. Große Teams haben Tiefe. Liverpool scheint im Moment beides nicht zu haben. Sie liegen auf dem neunten Platz in der Premier League, bereits 10 Punkte hinter den Top Vier. Das ist nicht nur ein Wackler; das ist eine ausgewachsene Krise für einen Verein mit ihren jüngsten Ambitionen.
**Das Mittelfeld-Karussell und defensive Lücken**
Reden wir über das Mittelfeld, denn dort hat sich ein Großteil des Verfalls festgesetzt. Jordan Henderson, jahrelang ein Krieger, scheint einen Schritt verloren zu haben. Fabinho? Er ist ein Schatten des Spielers, der das Mittelfeld verankerte. Gegen Brighton rannten die Seagulls mit peinlicher Leichtigkeit durch die Mitte des Feldes. Alexis Mac Allister und Moises Caicedo dominierten das Geschehen absolut. Liverpools Mittelfeld versäumte es, Läufer zu verfolgen, konnte keine zweiten Bälle gewinnen und bot sehr wenig nach vorne. Sie kassierten 2,22 erwartete Tore (xG) gegen Brighton, die jüngste in einer Reihe von hohen xG-Gegentoren. Sie gaben 2,76 xG an Brentford bei einer 3:1-Niederlage am 2. Januar ab. Hier geht es nicht nur um individuelle Fehler; es ist ein systemisches Versagen, die Abwehrreihe zu schützen.
Und apropos Abwehrreihe: Trent Alexander-Arnolds defensive Probleme werden zu einem wichtigen Gesprächsthema. Er ist zweifellos ein Zauberer nach vorne. Seine Assist-Zahlen beweisen das. Aber Teams zielen aktiv auf seine Flanke, und das zahlt sich aus. Brighton nutzte diesen Raum das ganze Spiel über aus. Klopps System, das auf aggressive Außenverteidiger setzt, lässt sie ungeschützt, wenn das Mittelfeld nicht funktioniert. Und im Moment stottert dieses Mittelfeld auf allen Zylindern. Schauen Sie, Liverpools Identität unter Klopp war immer Intensität, Pressing und das Überwältigen von Gegnern. In dieser Saison belegen sie den 15. Platz in der Premier League bei Tackles und den 12. Platz bei Interceptions pro Spiel. Der Motor stottert.
**Das Klopp-Rätsel: Kann er das Feuer neu entfachen?**
Es ist leicht, die Spieler zu beschuldigen, aber der Trainer muss auch etwas Kritik einstecken. Klopps Loyalität gegenüber bestimmten Spielern, selbst wenn ihre Form deutlich nachgelassen hat, ist bewundernswert, könnte aber dem Team schaden. Warum bekommt Naby Keita nicht mehr Spielzeit, wenn andere Schwierigkeiten haben? Warum wurde Harvey Elliott auf verschiedene Positionen verschoben? Die taktische Vorhersehbarkeit ist ebenfalls besorgniserregend. Teams wissen, was Liverpool tun wird, und sie sind zunehmend in der Lage, dem entgegenzuwirken. Das ist nicht mehr 2018.
Meine kühne These? Klopp ist zu emotional in seine Kerngruppe investiert, und das blendet ihn für die Notwendigkeit einer rücksichtslosen Umstrukturierung. Dieser Kader braucht mehr als nur ein paar Anpassungen; er braucht eine erhebliche Injektion frischer Talente, insbesondere in diesem Mittelfeld. Sie haben seit Jahren nicht viel Geld für einen echten, dominanten zentralen Mittelfeldspieler ausgegeben. Das rächt sich jetzt bitter.
Liverpool wird diese Saison nicht unter den ersten vier landen. Der Abstand ist zu groß, und die Probleme sind zu tiefgreifend für eine schnelle Lösung.